Soll es ein Italiener werden?

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itsYKsWIut41XdqITALIEN - Weinbau, so weit der Stiefel reicht

Italien, Europas kniehoher Stiefel, zählt zu den beliebtesten Urlaubsländern Europas. Kein Wunder: Mit seinem angenehm mediterranen Klima, seiner abwechslungsreichen Landschaft, seinen allgegenwärtigen Kulturschätzen, seiner weltberühmten Küche und – nicht zuletzt – seinen köstlichen Weinen macht das „bel paese“ („schönes Land“) seinem Namen immer wieder Ehre.

Weinbau gibt es dort, so weit der Stiefel reicht. Vom Alpenrand bis zu den feuerspeienden Vulkanen im Süden erstrecken sich über 680’000 Hektare Rebland. Ein wahres Traubenmeer – und tatsächlich: Mit 48.9 Millionen Hektoliter pro Jahr ist Italien schon rein mengenmässig absolute Weltspitze – noch vor Frankreich und Spanien.

Dass es beim Wein jedoch um alles andere als um die blosse Menge geht, wissen die Italiener schon lange. 1963, mit der Einführung der gesetzlich kontrollierten Ursprungsbezeichnung DOC (Denominazione di Origine Controllata), stellten sie die Weichen in Richtung Qualität. Heute produzieren nicht nur Grossbetriebe und Genossenschaften bemerkenswerte Weine. Auch zahlreiche kleine, innovative Erzeuger sorgen für Spitzenresultate erster Güte.

Längst steht Italien für Qualitätsweine der allerfeinsten Art. Amarone, Barolo, Brunello & Co zählen zu grossartigsten Tropfen dieser Welt – und entzücken die Gaumen der verwöhntesten Geniesserinnen und Geniesser.

Region Piemont – die Heimat der 3 grossen B

Das Piemont gehört zum italienischen „triangolo economico“, dem hochentwickelten Wirtschaftsdreieck“ zwischen Mailand, Genua und Turin. Die Hauptstadt Turin liefert das T im Namen des Autokonzerns Fiat (Fabrica Italiana di Automobili Torino). Aus Alessandria kommen Maschinen und Möbel, aus Cuneo Textilien.



Und auch zum leiblichen Wohl steuert die Region viel bei. Vercelli ist Zentrum des grössten Reis-Anbaugebiets Europas. Ebenfalls aus dem Gebiet um Alba stammen die begehrten weissen Trüffel. Kulinarisch schlägt das früher französische Gebiet die Brücke zwischen Frankreichs „Haut cuisine“ und der abwechslungsreichen „cucina italiana“. Auch beim Wein herrscht Abwechslungsreichtum.

Eine Vielzahl einheimischer Sorten wird heute noch in Ehren gehalten wie beispielsweise die roten Bonarda, Dolcetto, Freisa, Grignolino und bei den weissen Sorten Malvasia, Arneis, Cortese, Erbaluce und Moscato.  Es sind indes die 3 grossen B – Barolo, Barbaresco und Barbera, welche den Ruhm der Weinregion Piemont in alle Welt getragen haben. Barolo und Barbaresco werden aus der Nebbiolo-Traube bereitet. Hinsichtlich Anbaufläche und Produktionsmenge dominiert der Barbera, Italiens zweitwichtigste Rotweintraube nach der Sangiovese.  In ihrem Schatten gedeihen einige einzigartige Weine, die eine Entdeckung lohnen. Etwa der Grignolino, der bodenständige Freisa, der perlende, liebliche Brachetto d’Aqui oder der Erbaluce bianco.

Die besten Winzer in der piemontesischen Vielfalt zu entdecken, das ist etwa so schwierig, wie Trüffel zu finden. Es braucht eine gute Nase, Zeit, Kenntnis der Gegend und viel Gespür.

Region Toskana – vom Chianti zum Super-Toskaner

Lange Jahre galt Chianti als der bekannteste Wein überhaupt. Er stand für italienischen Rotwein schlechthin. Und er unterschied sich von den andern Weinen durch seine eigenwillige, charakteristische Verpackung – jene legendäre strohumwickelten Ballonflasche – der „fiasco“. Ein fiasco bedeutete Ferienstimmung, ungezwungenen Genuss, für fröhlichen, unkomplizierten Wein.

Mit den 1984 revidierten Bestimmungen und der Anhebung zum DOCG-Gebiet, stellte die Regierung die Weichen zur Qualitätsaufwertung. Mit gutem Erfolg, denn die heutigen hochwertigen Chianti haben mit jenem leichtfüssigen Tröpfchen aus dem nostalgischen fiasco nicht mehr viel gemeinsam. Chianti ist, wie viele bedeutende Weine dieser Welt, eine Komposition aus verschiedenen Traubensorten.

Das italienische Gesetz lässt jedoch für die Mischung nur einen ganz bestimmten Spielraum zu. Viele Winzer stellen heute diese engen Grenzen in Frage und verzichten ganz bewusst auf ein gehobenes behördliches Attest. Sie keltern auch gerne mal reinen Sangiovese komponieren dazu andere Traubensorten mit mehr oder weniger hohen Anteilen. Dass diese Weine ohne DOC- oder DOCG-Auszeichnung als gewöhnliche „vini da tavola“ (IGT) in den Handel kommen, tut ihrer wachsenden Beliebtheit keinen Abbruch. Oft übertreffen diese „Super-Toskaner“ sogar DOCG-Weine.

Michelangelo soll über einen toskanischen Wein gesagt haben, dass er „küsst, beisst, sticht und liebkost.“ Gibt es eine emotionalere, lebendigere Weinbeschreibung?

Region Veneto – die besten Weine stammen aus den hügeligen Zonen

Venedig war im 14. Jahrhundert nach Paris und Neapel die drittgrösste Stadt Europas und beherrschte den gesamten östlichen Mittelmeerraum. Sie war die Königin der Adria – eine europäische Grossmacht!

Auch heute noch zählt Venetien neben dem Piemont zu den wohlhabendsten und vielfältigsten Regionen Italiens.  Die Handelsmetropole Venedig ermöglichte den Kontakt mit vielen Kulturen und Einflüssen aus aller Welt. Fremdländische Gewürze, Reis, Mais und viele anderen Gemüse- und Obstarten kamen ins Land. Und seit Menschengedenken wurde auch Wein angebaut.

Die qualitativ besten Weine stammen durchwegs aus den hügeligen Zonen. Hier ist der Anbau zwar kostspieliger in den weiten Ebenen, weil der Boden karg ist und die Erträge geringer ausfallen. Doch finden sich hier beste Voraussetzungen für den Anbau von Spitzenweinen.

Mit frischen, fruchtigen Weissweinen, prickelnden Schaumweinen und edlen Rotweinen bietet Veneto heute eine bunte Vielfalt an unterschiedlichen Qualitäts-Produkten. Im Hinterland von Verona sind es zum Beispiel die weltberühmten Amarone- und Ripasso-Weine, welche unsere Gaumen entzücken. Sie werden aus den Traubensorten Molinara, Corinone, Corvina und Rondinella bereitet. Und auch am Südostufer des Gardasees wird mit dem Bardolino ein zauberhafter Rotwein mit viel Eleganz und Finesse bereitet. Der Bianco di Custoza ist ein erfrischender Weisswein aus einem DOC-Anbaugebiet südlich von Verona und aus dem Hügelgebiet bei Conegliano kommt der erfrischende, spritzige Prosecco.

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